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XT600 Motorradtour Marokko

Tag 31-33 BedouinCamp – Boujdour

Am Morgen drehen noch eine kleine Offroadrunde und fahren als letztes pünktlich in der Mittagshitze. Erst etliche km später können wir Oktaviano auf der Strasse einholen.

Wir fahren durch Laayoune und dann die Küstenstrasse geradewegs nach Süden. Begleitet werden wir vom starken, böigen Seitenwind. Die Strasse ist anfangs gut. Dann gibt es aber auch weite Strecken mit versandeten Abschnitten, grossen tiefen Schlaglöchern (vorallem die Mittigen, in uneinsichtigen Kurven, sind für uns gefährlich) oder es fehlt die halbe Fahrspur und zwingt uns sehr nahe an entgegekomende LKWs. Wir passieren 2 Unfälle. Auch ist Schatten für unsere Pausen (machen wir alle 50-60 km) nur an den seltenen eingezäunten Fernleitungsmasten zu finden.

12 uhr schatten

Boujdour ist der nächste grössere Ort. Auf dem dortigen C.platz Sahara Line sind wir die einzigen. Der Platz ist schattenlos und auf Campingmobile ausgelegt, hat aber auch 4 Mietzimmer. Für einen Superpreis bleiben wir 2 Nächte in einem der Zimmer mit kleiner Terrasse. Mit einem Bärenhunger gehen wir in den Ort. Beim ersten Strassenfleischer mit Grill kehren wir ein.

Der Tresen ist voll mit frischem Fleisch (auf der Rückfahrt 1 Woche später gibt es wesentlich weniger). Auf die Frage was wir wollen sind wir als europäische Supermarktkonsumenten ratlos. Der Fleischer übernimmt die Auswahl und übergibt die Fleischstücke über den ‚Tresen‘ einem Angestellten, der sich, unser Fleisch in den Händen knetend, erstmal mit einem Passanten unterhält. Irgendwann wird das Fleisch dem Grillmeister übergeben der endlich was zu tun bekommt. Bald steht unser Essen (Grillfleisch, Brot und Salat) auf dem Tisch. Ein rustikales Festmahl.

Etwas zum Thema Salat. Wir haben öfters gesehen, dass Touris den Salat zum Gericht nicht essen. Davor wird auch in Reiseführern gewarnt, was total nachvollziehbar ist. Da wir zu zweit auf einem Motorrad mit Campingausrüstung, Ersatzteilen und Werkzeug unterwegs sind, haben wir nur wenig Platz für sicheres Wasser zum Waschen von gekauftem Gemüse. So essen wir meistens (Bauchgefühl entscheidet) den Salat und vertrauen auf unsere Hepatitis A/B Impfung und unsere e.coli Abwehr.

Zurück auf dem C.platz lassen wir den Tag auf unserer Terrasse ausklingen. Irgendwann abends kommt Jörg (Bedouin Camp) auf den Platz gefahren. Aus wichtigen Gründen musste Henrique leider von Laayoune nach Hause fliegen, und er explored alleine weiter Kitespots bis Dakhla.

Am nächsten Tag sortiere ich mal wieder Zeug aus, welches ich auf der Rücktour wieder einsammeln werde. Dann erkunden wir die Umgebung (4 Fiche) und fahren südlich über eine Piste zu einem einsamen Strand.

Ein Junge der mit seiner Familie dort in Zelten wohnt, kommt vorbei und erhofft sich Süssigkeiten. Wir haben nur Bananen dabei, die er verschmäht. Dann zeigt er mir eine Wunde am Fuss. Wir leisten Erste Hilfe, desinfizieren und verbinden diese.

Dann mache ich völlig unvorbereitet (kein Luftdruck reduziert und sitzend) eine Spritztour am Strand und fahre mich kurz darauf fest. Unser neuer Freund, glücklich das in seinem Wohnviertel mal was anderes passiert (für mobile Leute mit Campingmobil ist das für Tage oder Wochen ein Traum, für ihn eintöniger Alltag) kommt mir sofort zu Hilfe geeilt und befreit mich. Zum Abschied umarmen wir uns und jeder kehrt in seine Welt zurück. Alf shukr und bãrak allah fik (1000 Dank und möge Gott dich segnen).

Zurück in Boujdour (in Boujdour und Laayoune sind Soldaten und Wehrpflichtige nicht zu übersehen um Marrokkos Anspruch auf dieses ‚besetzte‘ Gebiet zu gewährleisten) gehen wir in ein Strassencafé. Wir wollen etwas essen und bestellen Tajine. Dann rennt der Chef über die 4spurige Strasse mit Mittelstreifen in ein Restaurant. Kurz darauf kommt eine Frau mit Tablett aus dem Restaurant und serviert uns das Essen. Unsere fragenden Blicke zum Caféchef offenbaren, dass es hier nur Kaffee und Tee gibt, aber es arbeiten alle zusammen und es kommt zu einer win-win-win Situation.

Dann fahren wir zur Tanke und Brego wird der Sand abgewaschen und trocken gepustet.

Auf dem C.platz unterhalte ich mich noch lange mit einem jemenitischen ‚Flüchtling‘, der auch hier offiziell nicht willkommen ist. Leider artet es in eine Art Missionierung seinerseits aus. Die Schuld an jeglichem menschlichem Fehlverhalten wird einfach entschuldigt, als Einfluss von Shaytan (auch Sheitan, Sheitan oder einfach Satan), und in einer Geschichte oder Märchen wiedergegeben. Der Agnostiker in mir wird nicht erreicht und wir verbleiben in Ehrfurcht und Respekt (BO).

PS. Ich bin schon länger ein Freund des Abenteuerbuches ‚Der Weg nach Mekka‘ von Muhammad Asad (MA). Die Koraninterpretation von MA ist, für mich (teilgelesen) und ‚Menschen die Denken‘, die Aktuellste! Sonst zuviel Märchen und Fehlinterpretationen (auch andere Religionen). Muhammad Asad R.I.P..

Dann, am Abend auf unserer Terrasse passiert es. Ein Vagabund, eine kleine Katze, die wir ‚Boujdour‘ taufen, betritt den C.platz. Sie schnurrt und stupst sich in unsere Herzen. Sichtlich und spürbar etwas Besonderes, in dieser von Hunden dominierten Gegend. Immer angespannt, mit Kampfspuren und sich bei jedem Geräuch in den Überwachungsmodus schaltend, können wir nicht anders als sie sofort zu lieben.

Wir haben nichts zu bieten ausser etwas Brot,Wasser und uns. Den Zugang zum Zimmer verweigern wir, zu diesem Zeitpunkt noch, immer wieder. Sie folgt mir durch den Spalt in den Toilettenkabinen und wir spielen ‚Verstecken‘ auf dem halben Platz.

Zwecks Empathie halte ich eigentlich immer Abstand zu Tieren. Da gab es auf Reisen öfters solche Situationen. Trotzdem ist diese so noch nicht erlebt.

Den nächsten Tag sind wir zeitig abfahrtbereit. 330 km bis Dakhla, dem leider südlichstem Ziel unserer Reise. Eine schöne Strecke mit Zeit für längere Pausen. Ich filme Dromedarherden und Jule sucht Fossilien.

Weiter gehts nach Dakhla.

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Tag 1-10 Berlin-SaintTropez-Sete

Biker

Von Berlin gings los zur Autofähre nach Sete (Südfrankreich). Begleitet von Bikerkumpelz, 2000 km in 10 Tagen.

Abfahrt um zwei mit vier Bikes von Berlin bis Eisenberg  natürlich im Regen. Erste Unstimmigkeiten und eine Auflösung der Vierergruppe in 3! Teile in den ersten 50 km – aller Anfang ist schwer ok.  In der Umgebung von Eisenberg waren alle Unterkünfte belegt und wir fanden bei einem Kumpel Unterschlupf. Essen, Bier, Toilette – alles da. Ich schlief schlecht auf dem Küchenboden, die anderen verteilt im Haus.

Weiter zu dritt (Marek konnte nur das WE biken) nach Krün in Bayern, natürlich im Regen. Wir genossen die bayrische Gastfreundschaft und waren gut erholt für die nächste Etappe über die Alpen. Nocheinmal im Regen – der letzte für die nächsten Wochen.

Italien empfing uns endlich mit Sonne und wir bezogen ein Hotel als einzige Gäste. Pizza und Bergseekulisse, ein Traum. Das Gepäck wurde neu sortiert und die Regensachen in die tiefsten Ecken verbannt.

Über den höchsten Pass Italiens, dem Stilfser Joch, ging es weiter zum Camping am Coma See. Dann hiess es auch schon Ciao Bella Italia.

Frankreich empfing uns mit gutem Wetter, schönen einsamen Bergstrassen und einfachen Campingplätzen. Gut und schön, nur warum gibt es hier auf keinem Platz Klobrillen auf den Toiletten? Die 2 Löcher sind doch nicht umsonst in der Keramik. Auch durften wir diverse Pools nicht nutzen, wegen ’nichterlaubter Badehosen‘ – wir hatten normale halblange Badeshorts. So waren nur super enge Speedohosen erlaubt. Unser Fragen nach dem Sinn ergab – Badeshorts sind no hygienic. Aha, trotz reichlich Chlor im Wasser. Unser Entgegenkommen nackig baden zu gehen wurde auch abgeschmettert.

In Saint Tropez verbrachten wir gleich 3 Tage. Hier konnten wir uns erlaubte Badehosen kaufen und endlich als fast einzige den Pool nutzen. Auch Kultur kam nicht zu kurz. So schlendern wir durch die überfüllten Gassen und besuchen die Gendarmerie Nationale, bekannt aus den Louis de Funes Filmen, um dann wieder auf unseren ausserhalb liegenden Campground, wo es alles gab ausser Klobrillen, zu chillen oder die umliegenden Badebuchten mit karibikblauem Wasser zu erkunden.

Da ich ja auf dem Rückweg wieder hier vorbeifahren muss, lasse ich Ausrüstung wie Regensachen und noch das eine und andere auf dem Zeltpatz zurück. Es sollte anders kommen.

Den letzen Tag verbringen wir auf einem Luxuscampingplatz unweit von Sete mit mehreren Pools, einsamen Sandstrand und all you can eat Muschelrestaurants. Ein mitdenkender Camper mit Caravan kommt zu uns und bietet uns an seinen Kühlschrank und Strom mitzunutzen, weiss er doch um die begrenzten Möglichkeiten eines Bikers im Hochsommer – Respekt und vielen Dank.

In Sete bunker ich Proviant für die 36 stündige Überfahrt nach Nador und lege mir noch einen kleinen Weinvorrat an. Der Abschied von meinen treuen Begleitern geht leider viel zu schnell. Ich werde als einziger Ausländer (alle anderen sind franz. marokk. Familien) sofort durchgewunken – wer fährt schon im Hochsommer mit Bike nach Nordafrika. Ich suche mir ein einigermassen ruhiges Plätzchen und kurze Zeit später heisst es auch schon ‚Bye Bye Europe‘.

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